Berechtigte Fragen, (un)berechtigte Hoffnungen

 

und realistische Wege aus der Corona-Krise

 

 

 

 

Als Video verfügbar unter: https://youtu.be/19VhmqQqg8w

 

Hinweis:

Der Inhalt dieses Artikels wurde mit einem internationalen Netzwerk von Experten auf dem Gebiet der Virologie und Immunologie im Umfeld des FAGULON-Verlages und in Zusammenarbeit von Dr. med. H. Fiechtner (parteiloses Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg und praktizierender Arzt) erarbeitet. Dr. Fiechtner hat den Text im oben verlinkten Video vorgetragen. (April 2020)

 

 

Warum ist die Zahl der an COVID-19 verstorbenen Menschen in Deutschland so niedrig?

 

Selbst in der US-Presse wird die angeblich entschlossene Handlungsweise der deutschen Regierung gelobt. Keiner redet vom Verschlafen der Anfänge. Dazu kommt die Bewunderung des deutschen Gesundheitssystems. Niemand erwähnt die - im Gegensatz zu Taiwan, Südkorea, Singapur, Hongkong u.a. - in Deutschland ignorierten Pandemie-Pläne. Warum sind aber die (scheinbaren) Todesraten und absoluten Todeszahlen in Italien, Spanien und anderen Ländern viel höher als in Deutschland? Liegt es an dem besseren Gesundheitssystem? Einige der übertriebenen und sinnlosen Abschaltungen des wirtschaftlichen Lebens wurden am 15.4. zurückgenommen, obwohl jetzt sehr viel mehr unentdeckte infizierte Menschen existieren. Damit ist das (unausgesprochene) Eingeständnis verbunden, dass diese Maßnahmen zu Beginn der Epidemie übertrieben und unnötig waren.

 

Es gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Deutschland und Spanien bzw. Italien. In diesen Ländern leben die meisten alten Menschen innerhalb einer großen Familie. Sie werden durch die jüngeren Familienmitglieder also viel häufiger infiziert als die rund 800.000 Senioren, die in Deutschland allein oder zu zweit leben und durch häusliche Pflegedienste betreut werden. Hinzu kommen jene, die in Altenheimen leben oder die mit ihrem Alltagsleben allein zurechtkommen. All diese Menschen haben nur selten Kontakt zu den jüngeren Mitgliedern ihrer Familien und werden deshalb viel seltener angesteckt.

 

Hinzu kommt, dass z.B. in Spanien ganz überwiegend Menschen über 60 Jahre getestet werden. In Deutschland ist es genau umgekehrt. Dadurch erhöht sich automatisch in Spanien der Anteil an der Zahl der positive auf SARS-CoV-2 getesteten Personen.

 

Problematisch ist jedoch, dass nicht nur in Deutschland jeder Patient, der mit einer SARS-CoV-2 Infektion verstirbt, automatisch als ein Opfer dieser Krankheit gezählt wird. In vielen Fällen sterben diese Menschen zwar mit dem Virus, jedoch nicht aufgrund dieser Infektion.

 

Ihr Alter und ihre vielen Vorerkrankungen - sowie die unbekannte Zahl der vielen anderen Erreger, die auch Atemwegserkrankungen auslösen - sind wohl meist die wirkliche Ursache ihres Ablebens. Es gibt schon lautstarke Proteste von Pathologen, die sich über die unsinnigen Verbote von Obduktionen dieser Verstorbenen beklagen. Sie könnten jedoch wesentliche Informationen zu den wirklichen Todesursachen beisteuern. Vermutlich ist also die Zahl der wirklichen "Corona-Toten" noch deutlich niedriger.

 

Wieso werden manche Menschen krank und andere nicht?

 

Zunächst sind natürlich alte Menschen aufgrund ihrer vielen Vorerkrankungen besonders gefährdet. Dazu kommen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Aber es gibt auch andere Faktoren, die schwer vorauszusagen sind. Das zeigt sich besonders an jüngeren Menschen ohne Vorerkrankungen, die auch gelegentlich an COVID-19 sterben. Warum?

 

Zunächst sind da Unterschiede zwischen den Menschen hinsichtlich der Menge der beiden Rezeptoren zu nennen, welche für eine effektive Infektion nötig sind. Ist einer von ihnen (vermutlich die Protease) z.B. im Nasen-Rachen Raum nur wenig vorhanden, bleibt die Infektion ineffektiv. Bei AIDS ist das auch so. Fehlt (was selten ist) der zweite Rezeptor, bleibt eine HIV-Infektion aus.

 

Weiterhin dürfte entscheidend sein, wie viele Virus-Partikel die Infektion auslösen. Sind es wenige, kann die körpereigene Abwehr (das Immunsystem) vermutlich mit ihnen fertig werden, bevor zu viele Zellen infiziert sind und so ihrerseits Millionen von Viren produzieren.

 

Eine weitere Variable ist der Infektionsweg. In den Schleimhäuten des Nasen-Rachen Raumes gibt es einen besonderen Antikörper, das IgA, der mit allen möglichen Fremdkörpern reagiert. Wäre das nicht so, hätten wir ständig Infekte in dem feuchten Milieu dieser Schleimhäute. Also sind Schmierinfektionen wohl leichter zu verkraften als das Einatmen von virushaltigen Tröpfchen und Aerosolen. Letztere dürften auch viel mehr Viren enthalten. Zudem reagiert das Immunsystem der Lunge anders.

 

Weiterhin dürften auch die bereits vorhandenen Antikörper einen großen Unterschied machen. Die sogenannten kreuzreaktiven Antikörper (vom IgG-Typ) sind eigentlich gegen andere Erreger gerichtet. Sie reagieren aber über kreuz, d.h. erkennen zufällig auch Bestandteile von SARS-CoV-2 und verhindern oder verlangsamen so eine Infektion.

 

Da viele ähnliche Corona-Viren schon lange im Umlauf sind, könnte es durchaus sein, dass die Bildung kreuzreagierender Antikörper durch diese ausgelöst wurde und viele Menschen also unwissentlich bereits „teilimmunisiert“ wurden.

 

Die beste Hoffnung für die Zukunft: "Herdenimmunität"

 

Die unerkannt hohe Durchseuchung der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 ist eine sehr gute Nachricht, denn dadurch sind wir einer „Herdenimmunität“ viel näher als erwartet. Dieser Schutz dürfte lange anhalten, wie sich auch durch die neutralisierende Wirkung der Antikörper zeigt, die aus Genesenden gewonnen und zur Therapie eingesetzt wurden. Schweden ist eines der wenigen mutigen Länder, die sich dieser Erkenntnis nicht verschlossen haben und von der allgemeinen "Shutdown-Hysterie" verschont geblieben sind. Eine Infektion der Mehrheit der Menschen in Deutschland wird sich (jetzt, nachdem man die Anfänge verschlafen hat) ohnehin nicht mehr vermeiden lassen. Es geht nur um die Verlangsamung der Ausbreitung.

 

Zudem ist nicht zu erwarten, dass sich SARS-CoV-2 sehr schnell verändert, wie dies jedes Jahr bei den Influenza-Viren beobachtet wird. Der Grund liegt darin, dass dieses Virus eine weitere Besonderheit hat, die vielen anderen Viren fehlt: Es nutzt ein „Korrekturenzym“, welches Fehler erkennt, die in Zuge der Vermehrung der Erbinformation des Virus in der Zelle entstehen.

 

Diese Fehler werden dann herausgeschnitten und durch den richtigen „Buchstaben“, also das eigentlich hier hin gehörende Nukleotid, ersetzt. Das ist auch eine gute Nachricht bezüglich der nachhaltigen Wirkung eines Impfstoffes, wenn dieser einmal gefunden und erfolgreich erprobt sein sollte.

Einen Dämpfer erhalten die Hoffnungen auf die Wirkung der „Herdenimmunität“ jedoch durch die z.T. geringen Mengen spezifischer Antikörper, die man bei relativ vielen Menschen findet, welche eine Infektion überstanden haben. Große Unterschiede sind bei Immunreaktionen normal. Sie sind nicht nur von Mensch zu Mensch verschieden, sondern hängen natürlich auch davon ab, wie schwer die SARS-CoV-2 Infektion war und wie lange sie andauerte. Also werden diejenigen, deren Infektionsverlauf (fast) symptomlos war, gegenüber einer Neuinfektion anfälliger sein als andere. Allerdings gibt es weitere wichtige Elemente des Immunsystems, was geringe Antikörperkonzentrationen z.T. ausgleichen könnte.

 

Scheinbar gute Nachrichten: Impfstoffe

 

Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes kann viel länger dauern, als öffentlich dargestellt. Es ist deshalb geradezu absurd, zu erklären, man müsse mit der Lockerung des kollektiven Hausarrests warten, bis eine Vakzine verfügbar sei. Oft braucht es bis zu 10 Jahre, bis ein effektiver Impfstoff entwickelt, validiert und ausreichend klinisch erprobt ist. Ganz schnell ging es bei Ebola, allerdings waren es auch hier 5 Jahre.

 

Wenn man sich eine Übersicht über alle gegenwärtigen Impfstoffentwicklungen für SARS-CoV-2 anschaut, wird deutlich, dass neben den klassischen Ansätzen (abgetötete oder sich nur langsam vermehrende Viren bzw. gentechnisch hergestellte Virusproteine) auch völlig neue, bisher nie erprobte Wege gegangen werden. Diese basieren auf der Verpackung unterschiedlicher Formen von Teilen der Erbinformation des Virus in kleine Partikel, in der Hoffnung, auf diese Weise viele Zellen zur Produktion von Virusproteinen anregen zu können. Diese sollen dann eine Immunreaktion auslösen. Ein anderer Ansatz vertraut auf den Einbau von Genen von SARS-CoV-2 Proteinen in bekannte, unschädliche Viren. Sie vermehren sich dann im Körper und lösen eine Immunreaktion aus, die (auch) gegen sensible Teile des Virus gerichtet sein könnte.

 

Noch nie ist eine so große Initiative von Forschungseinrichtungen und Firmen entstanden, um einen Impfstoff zu finden, wie dies jetzt der Fall ist. Das ist großartig. Dennoch erinnern die Erfolgsaussichten ein wenig an ein Lottospiel: Man tippt möglichst oft, um vielleicht einen Treffer zu landen.

 

Das Idealziel besteht nicht darin, möglichst viele Antikörper zu erzeugen. Sie können in bestimmten Fällen sogar die Infektion verstärken. Vielmehr geht es darum, die Bildung von sogenannten zytotoxischen T-Zellen zu stimulieren, welche infizierte Zellen angreifen und zerstören. So kann die Virusproduktion lahmgelegt werden.

 

Viele Wissenschaftler machen allerdings darauf aufmerksam, dass wir viel weiter sein könnten, wenn man nach dem schnellen Abklingen der SARS-1 Infektionen mit Hochdruck an einem Impfstoff gearbeitet hätte. Beide Viren sind sehr ähnlich und nutzen den gleichen Rezeptor, um eine Zelle zu infizieren. Man hätte aus einem SARS-1 Impfstoff viel lernen können. Das Projekt lohnte sich allerdings kommerziell nicht mehr. Auf die Idee, dass eines Tages ein anderes, gefährlicheres Mitglied der großen Familie von Corona-Viren auftauchen könnte, kamen zwar Wissenschaftlicher, nicht aber Firmenchefs und Politiker.

 

Scheinbar gute Nachrichten: Medikamente

 

Wie auch bei den Impfstoffen wird weltweit fieberhaft an bereits bekannten und zugelassenen Medikamenten geforscht, welche das Virus hemmen und/oder die oft überraschend schnelle Auslösung einer Lungenentzündung mildern könnten. Die Entwicklung neuer Medikamente dauert Jahre und kostet hunderte Millionen Euro. Darauf kann man also nicht warten.

 

Aus insgesamt rund 350 angemeldeten Studien konnten 115 etwas genauer bewertet werden. Insgesamt sind die Patientenzahlen jedoch relativ klein. Sie bewegen sich zwischen 500 und 2500 Patienten je Medikamentengruppe.

 

Mit anderen Worten, die Zahl der Patienten in jeder Studie ist noch viel geringer. Abhängig vom Design der Untersuchungen dürfte sich deshalb die Aussagekraft der Ergebnisse in Grenzen halten.

 

Berühmt geworden ist das Malaria-Medikament Hydroxychloroquine in Kombination mit einem Antibiotikum. Keiner weiß, wie dieser alte Wirkstoff eigentlich genau funktioniert. Ein bekannter französischer Mediziner hatte erstaunliche Ergebnisse berichtet und auch in Zellkultur-Experimenten sah man gute Effekte. Zwar werden gegenwärtig viele Patienten in den USA so behandelt. Bei der französischen Studie entdeckte man jedoch so viele Schwachstellen, dass der Optimismus eher gedämpft ist.

 

Interessanter als Protease-Inhibitoren, die zur HIV-Therapie verwendet werden sind die Studien mit Remdesivir, einem Wirkstoff, den man zur Behandlung von Ebola-Infektionen entwickelt hatte. Er erwies sich dort allerdings als wenig wirksam und verschwand in der Schublade. Dieses Medikament hat jedoch einen bekannten und bei SARS-CoV2 sinnvollen Wirkmechanismus: Es hemmt sowohl das Enzym, welches das Gen des Virus kopiert, als auch das Korrekturenzym, welches Ablesefehler eliminiert.

 

Warum haben viele Patienten plötzlich akute Atemnot und die meisten anderen nicht? Diese Erklärung hat anscheinend noch niemand bedacht

 

Es wird immer wieder berichtet, dass COVID-19 Patienten, die sich zunächst noch relativ wohl fühlten, manchmal innerhalb weniger Stunden plötzlich Atemnot bekamen und auf die Intensivstation mussten. Warum ist das so? Können sie innerhalb so kurzer Zeit eine Lungenentzündung z.B. durch eine Superinfektion mit Pneumokokken bekommen? Das ist sehr unwahrscheinlich. Es gibt allerdings eine mögliche Erklärung dieses Phänomens, die bisher wohl noch nicht formuliert wurde: Eine Type IV-Allergie. Das könnte die wahre Ursache des bisher schon als „mysteriöser Lymphokinsturm“ beschriebenen Phänomens sein.

 

Im Gegensatz zu den anderen drei Haupttypen von Allergien ist der Typ IV nicht durch Antikörper verursacht. Er entsteht durch die sogenannten T-Zellen. Angesichts der verschiedenen Formen von Corona-Viren, die vermutlich schon sehr viele Menschen infiziert haben, ohne dass sie es merkten, könnte sich eine Gruppe von T-Gedächtniszellen gebildet haben, deren Oberflächenrezeptoren Strukturen erkennen, die denen von SARS-CoV-2 ähnlich sind. Das dürfte aber nur bei einem kleinen Teil der Menschen der Fall sein, was u.a. erklären würde, warum die meisten Infektionen harmlos verlaufen.

 

Wenn sie nun mit SARS-CoV-2 in der Lunge durch eine sogenannte Antigen-präsentierende Zelle in Kontakt kommen, teilen sich diese Zellen sehr schnell und senden dann potente Botenstoffe aus (IL-2, TNF ß, INF-gamma) aus. So entsteht nicht nur eine Armee von sogenannten CD4-positiven T-Helferzellen Typ 1, sondern deren Botenstoffe locken andere Zellen – insbesondere die Makrophagen (die sogenannten Fresszellen) und weitere Immunzellen an. Diese senden nun ihrerseits Botenstoffe aus, die eine lokale Entzündung auslösen. Dies erfolgt zusätzlich zur SARS-CoV-2 Infektion in der dünnen Zellschicht, welche die Lungenbläschen von den sie umgebenden kleinen Blutgefäßen trennt. Dadurch wird aber der lebenswichtige Transport von Sauerstoff ins Blut massiv erschwert. Es entsteht Atemnot. Wenn sich nun noch die Lungenbläschen - als Folge der Entzündungsprozesse - mit Flüssigkeit füllen, kann an diesen Stellen überhaupt kein Sauerstoff mehr ins Blut gelangen. Besonders die unteren Teile der Lunge werden komplett funktionslos.

 

Wenn diese Hypothese richtig ist, könnte eine entzündungshemmende Therapie Erleichterung bringen. Die zusätzliche Verabreichung von Medikamenten, welche die relevanten Komponenten des Immunsystems hemmen, würde diesen Prozess verlangsamen und Patienten möglicherweise retten, die in den meisten Fällen trotz (oder wegen) der künstlichen Beatmung sterben. Die Schwächung des Immunsystems ist in diesen Fällen wohl ein tolerierbarer Nebeneffekt.

 

Neben der SARS-CoV-2 Infektion anderer Zellen im Körper könnte eine Typ-IV Reaktion auch die (oder eine zusätzliche) Erklärung vieler klinischer Befunde sein. Dies gilt z.B. für die Bildung von Verklumpungen von Blutzellen, daraus resultierende Herzinfarkte, Nierenversagen u.ä.

 

Ein ethisches, rechtliches und finanzielles Problem: Schadet künstliche Beatmung mehr als sie nützt?

 

Die Intensivtherapie-Stationen werden in der Regel von Narkose-Ärzten, den Anästhesisten, geleitet. Sie verwenden bei Schwerkranken oft die künstliche Beatmung. Das erfordert aber, den Patienten in ein künstliches Koma zu versetzen, denn er hat ständig einen Schlauch in der Luftröhre. Lungenärzte sind jedoch mehrheitlich der Meinung, dass dieses Verfahren die COVID-19 Lungenentzündung oft verschlimmern kann und bevorzugen Sauerstoffmasken. Dazu kommt, dass nur ein kleiner Teil der künstlich beatmeten Patienten überlebt und dann meist auch irreversible Folgeschäden festgestellt werden.

 

Die ethische Frage lautet also: Sollte man denjenigen alten Menschen, die (auch aufgrund ihrer Vorerkrankungen) vermutlich nicht mehr genesen werden, die künstliche Beatmung ersparen und sie besser palliativmedizinisch versorgen?

 

Es muss niemand mehr durch eine Lungenentzündung qualvoll ersticken. Dies kann durch weniger invasive Methoden (z.B. Sauerstoffmasken u.a.) verhindert werden. Solche Menschen könnten dann jedoch zu Hause oder in einem Hospiz die letzten Tagen oder Wochen ihres Lebens mit Angehörigen erleben, statt bewusstlos und an Schläuchen hängend auf einer Intensivstation isoliert zu sterben.

 

Ein wenig beachteter Aspekt dieser Präferenz für Beatmungsgeräte ist ein finanzieller. Da heute die (meist privaten) Krankenhäuser in den wesentlichen Entscheidungen nicht von den Chefärzten, sondern von den Geschäftsführern gelenkt werden, ist es sinnvoll anzumerken, dass ein Tag künstlicher Beatmung auf der Intensivstation gegenüber den Kassen mit rund 20.000 Euro abgerechnet werden kann. Auch das könnte ein Gesichtspunkt sein, der in die Diskussion dieses Themas einfließen sollte.

 

Hinzu kommt ein anderes Problem: Die meisten alten Menschen haben keine oder keine rechtlich eindeutige Patientenverfügung. Selbst wenn sie eine künstliche Lebensverlängerung durch die "Apparatemedizin" ablehnen, ist dafür eine eindeutige Bestimmung in der Patientenverfügung erforderlich. Ein Arzt, der ohne diese Entlastung auf maximale lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet, könnte sich sogar strafbar machen.

 

Wenn SARS-CoV-2 wirklich so gefährlich ist wie angenommen, könnte nur die Testung aller Bürger und Einreisenden die Epidemie zum Stillstand bringen

 

Nur wenn alle Bürger auf das Vorhandensein einer SARS-CoV-2 Infektion getestet werden, kann die große Zahl von Menschen identifiziert und isoliert werden, die entweder eine frische oder eine symptomlose Infektion haben. Weil sich nach einer Infektion das Virus - im Gegensatz zu SARS-1 - im Nasen-Rachenraum ansiedelt, können Millionen infektiöser Viren mit jedem Husten, Keuchen, Sprechen und sogar Atmen ausgestoßen werden. Infizierte Jogger dürften übrigens eine besonders effektive Virenschleuder sein, wenn man ihnen zu nahe kommt. So werden Zehntausende unwissentlich zu Ansteckungsquellen für ihre Mitbürger.

 

Wenn man alle Bürger testet und so die ansteckenden Menschen identifiziert und für 2-3 Wochen isoliert, kann die Weitergabe der Infektion zum Stillstand gebracht werden.

 

Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, weil der PCR-Test kompliziert und aufwändig ist. Zwar sind in den letzten Wochen und Monaten diverse schnellere Formen dieser Nachweismethode entwickelt worden, aber wir brauchen für eine Eindämmung der unwissentlichen Ausbreitung der Infektion eine noch viel größere Testkapazität. Das ist aber möglich, denn bereits jetzt werden 650.000 Tests pro Woche durchgeführt und ständig wird die Zahl der Geräte, Materialien, Labors und Mitarbeiter erweitert. Bei 5-8 Millionen Tests pro Woche könnte der größte Teil der Bevölkerung relativ schnell getestet und ggf. wiederholt untersucht werden.

 

Praktisch könnte die Sammlung von Proben aller Bürger durchaus realisierbar sein, wenn für jeden die Pflicht bestünde, zur Probenabgabe zu einer vereinbarten Zeit zu erscheinen. Diejenigen, die dies "vergessen", könnten Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsamt dazu "ermuntern", indem sie anhand von Listen der Einwohnermeldeämter und Gesundheitsämter von Haus zu Haus geben.

 

Kann man alle Einreisenden testen? Ja, man wird dies bald praktisch umsetzen können - wenn man will. Natürlich entstehen 4-5 Stunden Wartezeit an Flughäfen und Grenzen. Aber was ist das schon, verglichen mit dem Stillstand und dem nachfolgenden Kollaps ganzer Volkswirtschaften?

 

Es wurden kürzlich auch Tests für Antikörper entwickelt, die sich gegenwärtig in der Erprobung oder z.T. schon im Einsatz befinden. Einige davon könnten auch - wie ein Schwangerschaftstest - zu Hause durchgeführt werden. Damit kann man zwar keine akute Infektion nachweisen, aber erfährt, ob man eine solche bereits überstanden hat. Das ist ebenfalls enorm wichtig, weil diese Menschen dann vermutlich (zumindest für eine Weile) immun sind. Damit entsteht nicht nur eine Übersicht darüber, wie weit die "Herdenimmunität" bereits fortgeschritten ist. Es ermöglicht auch, Menschen mit überstandener Infektion in solchen Bereichen des Arbeitslebens bevorzugt einzusetzen, in denen eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Allerdings zeigen die vorliegenden Ergebnisse, dass die meisten solcher Tests noch eine unzureichende Spezifität haben. Natürlich versuchen viele Firmen, damit schnell Geld zu verdienen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es eine längere Zeit der Optimierung und Validierung braucht, bis verlässliche Tests entwickelt sind.

 

Dr. med. Heinrich Fiechtner ist Onkologe und Palliativmediziner mit eigener Praxis in Stuttgart und parteiloses Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg. Er wird in seinen Analysen durch Wissenschaftler mit einem internationalen Netzwerk auf den Fachgebieten Immunologie und Virologie unterstützt.

 

Ergänzende Literatur und Videos von Dr. Fiechtner

 

A brief review of antiviral drugs evaluated in registered clinical trials for COVID19, D. Belhadi et.al., https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.18.20038190v2

 

The COVID-19 vaccine development landscape, Le et. al., https://www.nature.com/articles/d41573-020-00073-5

 

How does coronavirus kill? Clinicians trace a ferocious rampage throung the body, from brain to toes, M. Wadman et.al. https://www.sciencemag.org/news/2020/04/how-does-coronavirus-kill-clinicians-trace-ferocious-rampage-through-body-brain-toes?utm_source=Nature+Briefing&utm_campaign=4525e04069-briefing-dy-20200421&utm_medium=email&utm_term=0_c9dfd39373-4525e04069-44592369#

 

From NYC ICU: Does COVID-19 really cause ARDS? https://youtu.be/k9GYTc53r2o?t=23

 

Palliativmediziner kritisiert „falsche Priorität auf Intensivmedizin bei Coronavirus“, https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-palliativmediziner-kritisiert-falsche-prioritaet.1939.de.html?drn:news_id=1119649

 

Vielleicht 90% von Coronainfektionen unbemerkt! Prof. Dr. med. Pietro Vernazza , 20.3.2020
https://infekt.ch/2020/03/neues-verstaendnis-der-covid-19-epidemie/

 

Coronavirus and the race to distribute reliable diagnostics, C. Sheridan, https://www.nature.com/articles/d41587-020-00002-2

 

Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie, Marc DeSargeau, https://www.fagulon.de/die-mayerhof-schen-gesetze/gesetze-des-tanzes-der-marionetten-vor-der-fassade-der-demokratie/

 

Gesetze der Symbiose von Wunschdenken, Wahrnehmungsfilter und Selbstzensur, Marc DeSargeau, https://www.fagulon.de/die-mayerhof-schen-gesetze/gesetze-der-symbiose-von-wunschdenken-wahrnehmungsfilter-und-selbstzensur/

 

Bewährte Methoden zur Bereinigung der Realitätswahrnehmung der Bevölkerung, Marc DeSargeau, https://www.fagulon.de/m%C3%BCllers-manual-der-politischen-propaganda/

 

Video: Das Versagen des „Mutti-Clans“, (Dr. med. H. Fiechtner) Erst verschlafen, dann überreagieren, https://www.youtube.com/watch?v=pRH0OZt3wbM

 

Video: Corona-Quaratäne: So nicht!, (Dr. med. H. Fiechtner) https://www.youtube.com/watch?v=kLR8gThRqDA