Des Krösus neue Kleider

 

Marc DeSargeau

 

Roman





Staunend stehen die meisten Menschen vor Fettklumpen, einfarbig bestrichenen Leinwänden oder Spritzern und Gekrakel auf diversen Untergründen. Ratlos bewegen sie sich durch moderne Kunstausstellungen, stolpern über Müllhalden oder ausgeräumte Keller, Schieferplatten und Schienen, die scheinbar ungeordnet auf dem Boden liegen. Kaum einer traut sich, Unverständnis und Langeweile zu artikulieren. Man sieht die Ratlosigkeit in ihren Augen und an dem schnellen Schländern von einem Objekt zum anderen.

 

Was, zum Teufel, sehen die Sammler, Kuratoren und "Experten" in all diesem Müll? Warum haben sich in den letzten Jahrzehnten Wissenschaft und Technik auf ungeahnte Höhen aufgeschwungen, während die bildende Kunst in ihrer Kunstfertigkeit weit hinter das Niveau zurückfällt, welches unsere Vorfahren bereits in Höhlenzeichnungen vor 30.000 Jahren unter Beweis stellten?

 

Was Millionen kostet, kann doch nicht wertlos sein? Was mit Katalogtexten unverständlicher "Tiefsinnigkeit" gedeutet und belobigt wird, muss doch wichtig sein? Wir verstehen doch kaum noch etwas vom Funktionieren der Wunderwerke der Gentechnik oder der Computerprogramme. Selbst die Funktionsweise des Smartphones ist fast allen ein Rätsel. All diese menschlichen Erfindungen sind deshalb für den Nicht-Experten unverständlich, weil sie auf Jahrzehnten des Forschens und Erfindens beruhen. Jahrelanges Studium und viele Lehrjahre im Beruf sind notwendig, bevor ein Mensch halbwegs in der Lage ist, auf diesen Gebieten etwas eigenes zu erschaffen.

 

Also muss das doch wohl bei der bildenden Kunst genauso sein! Wir sind daran gewöhnt, die Hilfsmittel unseres Lebens nicht zu verstehen. Haben sich deshalb alle daran gewöhnt, auch die moderne bilden Kunst nicht zu verstehen?

 

Die Protagonisten des Romans sind ein fünfjähriger Junge und ein 70jähriger Obdachloser. Sie avancieren zu den größsten Stars des internationalen Kunstmarktes und decken - ein für allemal - die psychologischen und kommerziellen Geheimnisse auf, die sich hinter dem Phänomen der modernen bildenen Kunst verbergen. Nach diesen Erkenntnissen ist alles anders. Kunst und Kunstmarkt werden nie wieder zu den alten Mechanismen zurückkehren können. Wer diesen Roman gelesen hat, verliert seine Ratlosigkeit und unschuldige Ehrfurcht für immer.