Die Neo-Stalis

Die neo-stalinistischen Herrschaftsmethoden

 

im globalisierten Kapitalismus

 

 

Teil 1:

 

Was sind Neo-Stalis und warum steuern wir

 

auf eine Gesellschaft

 

unterschiedlicher Kasten zu?

 

 

Autor: Marc DeSargeau

 

Januar 2021

 

 

Klarstellung des Gebrauchs der Bezeichnung "Neo-stalinistisch", abgekürzt "Neo-Stali"

Der neue Begriff "Neo-Stali" bezieht sich im Zusammenhang dieses Textes nur auf Ähnlichkeiten mit denjenigen Elementen der (zwangsläufigen) Perversion der sozialistisch-kommunistischen Utopien, die zur Festigung innerer und äußerer Machtstrukturen und zur ideologischen Indoktrination verwendet wurden. Dabei sind zwei Elemente von besonderer Bedeutung: Hierarchische Strukturen von linientreuen Kadern und Methoden zur Unterdrückung und Diffamierung abweichender Meinungen und Handlungen. Neo-Stali beschreibt also, dass bei internationalen Konzernen und Regierungen Verhaltensweisen entstanden sind, die denen stalinistisch-sozialistischer Diktaturen frappierend ähneln. Das ist besonders bemerkenswert, weil ja sowohl die ökonomischen Grundlagen als auch die politische Philosophie der westlichen Länder dem stalinistisch-sozialistischen Modell so diametral entgegengesetzt erscheinen. Neo-Stali-Methoden und die Entwicklung quasi religiösen "Glaubenswahrheiten" entstehen in westlichen Ländern nicht durch die Etablierung einer Diktatur als Folge einer Revolution oder eines Krieges. Nein, sie entwickeln sich langsam und fast unmerklich, bis sie schließlich eine erschreckende Macht gewinnen. Die stalinistischen Diktaturen sprangen die Menschen an und dominierten sie. Die Neo-Stalis schleichen sich langsam ein, erreichen ihre Ziele schließlich jedoch mit ähnlichen Auswirkungen.

 

Ziel der Überlegungen innerhalb dieses Textes

Dieser Essay soll der Frage nachgehen, inwieweit sich die Herrschaftsmethoden der sozialistischen Staaten von denen der neuen globalisierten Monopole und den von ihnen abhängigen Regierungen und internationalen Organisationen unterscheiden. Im Ergebnis stellt sich heraus, dass sich ähnliche Machtstrukturen, quasi-religiöse Ideologien und Manipulations- und Kontrollmechanismen etabliert haben. Allerdings gehen diese aufgrund der digitalen Hochtechnologien und des Internets noch wesentlich weiter, als man es sich im sozialistischen Stalinismus vorstellen konnte. China ist vermutlich wieder einmal der Vorreiter einer globalen Entwicklung. Sie haben Technologien zur totalen Überwachung entwickelt, die es erlauben, die Menschen in unterschiedliche Kasten einzuteilen, die unterschiedliche Rechte und Möglichkeiten erhalten. Deshalb ist es angemessen, die kleinen und großen Akteure im Dienste der globalen Monopole und der von ihnen abhängigen Regierungen und Organisationen als Neo-Stalis zu bezeichnen. Im Gegensatz zu den sogenannten Neo-Nazis handelt es sich bei dieser Bezeichnung nicht um eine diffamierende Analogie und Übertreibung, sondern um eine angemessene und griffige Bezeichnung, wie durch die nachfolgenden Ausführungen bewiesen werden kann.

 

Die Macht stalinistischer Parteidiktaturen im Vergleich zu derjenigen von internationalen  Neo-Stali-Monopolen

Die kommunistischen Parteien verstanden sich als nominelle Vorhut der Arbeiterklasse, als deren Interessenvertreter und Erzieher. Tatsächlich handelte es sich aber um einen Orden der Nutznießer und Priester der kommunistischen Religion. Mit Ausnahme der Versprechung eines ewigen Lebens im Himmel hatte die kommunistische Ideologie alle wichtigen Elemente einer klassischen Religion, z.B. ein genau definiertes Tableau von Glaubensinhalten, die in "heiligen Büchern" der Religionsgründer (Marx, Engels, Lenin, Mao) verzeichnet waren. Das gab den Menschen Sinn und Ziel für ihr Leben und bezeichnete genau die Pfade des erlaubten Denkens und Handelns. Es bediente die Sehnsucht der meisten Menschen nach einer klaren Richtschnur für die Unterscheidung von Gut und Böse bzw. von richtig und falsch. Zudem war durch die verschiedenen Stufen der Parteihierarchie eine Priesterkaste entstanden, welche durch ständige Erziehung und Kontrolle nicht nur die Religionsinhalte vermittelte, sondern auch deren Einhaltung kontrollierte. Dass hier große Zeremonien und Massenveranstaltungen als Gottesdienst-Ersatz nicht fehlen durften und die ständige Propagierung dieser - einzig richtigen - Weltsicht täglich durch die Medien erfolgte, versteht sich von selbst. 

Die Monopole des Internets, der Medien, des Finanzkapitals und des militärisch-industriellen Komplexes erstrecken sich inzwischen über fast alle Teile der Welt. Sie haben eine ähnlich hierarchische und strenge Struktur wie die kommunistischen Parteien. Wer kein williges Rädchen im Getriebe ist, wird schnell ausgeschieden. Allerdings kommt neben dem Interesse am Erhalt und der Ausweitung der Macht dieser Konzerne noch ein weiteres, sehr starkes Motiv hinzu, welches bei den kommunistischen Parteien fehlte: das Interesse an maximalem Profit. Insofern ist die Ideologie hier nicht ein quasi-religiöser Selbstzweck, sondern ein Hilfsmittel, die wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Während eine kommunistische Partei unbegrenzte finanzielle Mittel aus dem Staat nutzen konnte, verwenden die Neo-Stalis das Kapital ihrer Firmen. Sie bilden mehrere "Orden" im jeweiligen Wirtschaftssektor, in welchem sie dann ähnlich verbunden und voneinander abhängig sind, wie dies die Funktionäre einer kommunistischen Partei waren. Wie in den kommunistischen Parteien können die Führer und Eigner der großen Monopolkonzerne ihre persönlichen Präferenzen und Marotten ausleben und ihrer Organisation und der Gesellschaft so einen individuellen Stempel aufdrücken.

 

Die totale Überwachung und Einordnung der Menschen in Kasten ist bereits Realität

Die weltweit erste Hybridgesellschaft hat eine erstaunlich effiziente Symbiose von stalinistischem Sozialismus und Monopolkapitalismus erschaffen. So ist ein schneller Sprung an die Spitze von Wissenschaft, Technologie und Produktion entstanden, der es ermöglichst, gut funktionierende Großprojekte in wenigen Monaten oder Jahren zu vollenden, für welche die westlichen Länder in der Regel 3-5 mal mehr Zeit brauchen. Dazu gehört auch die Technologie der Gesichtserkennung zur Überwachung aller Menschen des Riesenreiches. Obwohl dies bei Menschen in Bewegung und wechselnden Lichtverhältnissen besonders schwierig ist, scheint es recht gut zu funktionieren. Durch den zentralistischen Befehlsapparat der stalinistischen Partei konnte den Neo-Stalis der Industrie befohlen werden, viele Millionen Kameras überall im Lande zu installieren und sogar Polizisten mit Brillen auszustatten, in denen solche Kameras installiert sind. Auf diese Weise ist es gelungen, jeden Menschen in diesem Riesenreich auf Schritt und Tritt zu überwachen.

Daraus folgt eine Möglichkeit, die in China bereits Wirklichkeit geworden ist: Die Wiedererweckung des alten indischen Kastensystems und seine Übertragung auf eine moderne Gesellschaft. Die vielen indischen Kasten entstehen nicht wirklich dadurch, dass man in eine von ihnen hinein geboren wird. Das scheint nur auf den ersten Blick so zu sein. Vielmehr ist die Wiedergeburt einer menschlichen Seele (wie man es im Westen nennen würde) in einem neuen Körper das Resultat der Verdienste oder Versäumnisse bzw. Missetaten in dem früheren Leben. Man kann also mit Recht stolz auf seine Geburt in eine der Brahmanen-Kasten sein, denn man hat sich diesen höchsten Rang offenbar durch viele gute Taten in seinem früheren Leben erworben. Dementsprechend darf sich auch niemand beklagen, zu den niedrigsten Kasten der Unberührbaren zu gehören, denn dies ist offenbar die verdiente Strafe für sein Verhalten im früheren Leben.

Genau diese moralische Rechtfertigung ist die Basis der Einteilung von Menschen in Kasten, wie sie gegenwärtig in China vorgenommen wird. Durch die lückenlose Überwachung mit Hilfe von Kameras - aber auch der anderen Aktivitäten bei Bankgeschäften, in sozialen Medien, in der Ausbildung etc. - kann ein genaues Profil jedes Menschen hinsichtlich seiner Taten und Fähigkeiten erstellt werden. Dieses Verfahren ähnelt den himmlischen "Zählmaschinen" für verdienstvolle und verwerfliche Taten, an welche sowohl Hindus als auch Buddhisten glauben und die mit der Genauigkeit eines Supercomputers für jeden Menschen ermitteln, in welcher Position er sich nach seiner Wiedergeburt wiederfinden darf. In Analogie hierzu unterscheiden sich die verschiedenen Kasten in China in ihren Möglichkeiten Posten, Kredite, Auslandsreisen, Wohnungen und anderes zu erhalten. Sie haben sich also - genau wie es die Hindus glauben - ihren Kasten-Status durch eigenes Verdienst oder Versagen erworben.

 

Kastenbildung ist durch die Neo-Stalis auch in westlichen Gesellschaften mit wenigen Mausklicks möglich

Die Einteilung von chinesischen Bürgern in Kasten mit unterschiedlichen Rechten und Möglichkeiten beweist ohne Zweifel, dass dies mit den gegenwärtigen Technologien leicht möglich ist. Fast könnte man die diesbezügliche Sorglosigkeit der meisten Menschen im Westen mit der anfänglichen Reaktion auf die Corona-Pandemie vergleichen: China ist weit weg und so etwas wird bei uns nie passieren! Allerdings braucht es dafür nicht Millionen von Kameras auf den Straßen und sogar auf den Brillen von Polizisten. Die bereits existierenden Überwachungsmöglichkeiten durch die Neo-Stalis der großen Konzerne reichen bereits aus. Sie müssen nur durch ein paar Mausklicks zusammengefügt werden und schon entsteht ein umfassendes Profil von jedem einzelnen Menschen. Um diese Mausklicks zu ermöglichen, reichen ein paar Gesetzesänderungen. Dann steht auch im Westen der Einteilung von Menschen in verschiedene Kasten nichts mehr im Wege.

Die Daten, die hierfür gebraucht werden, finden sich in der Geschichte der Aktivitäten eines Individuums, der Historie seiner Aufrufe von Webseiten, in seinen E-Mails der letzten Monate (siehe Datenvorratsspeicherung), in den Anrufen, die er getätigt hat, in seinen Kontobewegungen, seinem Kreditrating, seinen Einkäufen (Daten von Kundenkarten, Kreditkarten, Bankkarten) und schließlich in seinen Interaktionen mit diversen virtuellen Assistenten wie Alexa u.a. Gegenwärtig werden bereits bestimmte Profile in den sozialen Medien aufgrund der angeklickten Seiten und anderer Parameter erstellt. Sie werden jedoch nur dazu verwendet, der entsprechenden Person Werbung vorzusetzen, die vermutlich seinen Interessen entspricht. Anders sieht es jedoch aus, wenn all diese Daten zusammengeführt werden. Da nur relativ wenige Konzerne über diesen Datenschatz verfügen, reicht es, sie dazu zu verführen oder zu zwingen, diese Datensätze zusammenzuführen. Ginge es nur um einzelne Personen - z.B. im Rahmen einer Fahndung nach Kriminellen - wäre das vielleicht noch zu akzeptieren. Das chinesische Beispiel hat jedoch gezeigt, dass man Profile von "verdienstvollen und verwerflichen Taten" für jeden einzelnen Bürger zusammenstellen kann.

Eine besondere (scheinbar unbeabsichtigte) Hilfestellung leisten die neuen Datenschutzgesetze zu dieser Durchleuchtung aller Menschen. Fast alle Firmen haben sich entschlossen, diese Regularien nicht nur zu unterlaufen, sondern in ihr Gegenteil zu verkehren. Das ist sehr einfach: Man bittet den Nutzer per Mausklick allen vorstellbaren Möglichkeiten der Nutzung seiner Daten und seines Verhaltens zuzustimmen. Möchte er das nicht, dann muss er sich durch ein zuweilen riesiges Tableau von Abwahlmöglichkeiten hindurchhangeln. Wenn man schnell von einer Webseite zu nächsten klickt, ist das fast immer zu mühselig. Also klickt man auf „alle akzeptieren“ und ist sofort drin, hat aber gleichzeitig alle Rechte aufgegeben, die einem die Datenschutzverordnung eigentlich gewähren sollte.

 

Vorwände oder Anlässe, die in westlichen Gesellschaften für die Zuordnung von Menschen zu unterschiedlichen Kasten genutzt werden könnten

Nun braucht es nur noch einen Anlass, der den Neo-Stalis in den Regierungen einen Vorwand liefert, die Bürger ihres Staates auch in Kasten einzuteilen. Solche Vorwände lassen sich anhand der bereits existierenden hysterischen Überreaktionen auf angebliche Bedrohungen leicht konstruieren. Natürlich bietet sich gegenwärtig besonders die Corona-Pandemie an. Warum sollte man im Interesse des Gemeinwohls nicht eine Kaste von "Corona-Skeptikern" erstellen, die doch vermutlich durch ihr Verhalten ein höheres Risiko für die Verbreitung des Virus darstellen als andere Menschen? Wenn man nun durch die Zusammenführung von Daten aus den o.g. Quellen diese Kaste identifiziert, könnte man ihnen besondere Reisebeschränkungen auferlegen oder auch den Zugang zu sozialen Netzwerken sperren. Auf diese Weise - so dürfte man argumentieren - können sie nicht zur Verbreitung des Virus und von Ideen beitragen, die andere ebenfalls dazu verführen können, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu ignorieren.

In ähnlicher Weise ließe sich eine Kaste von potenziellen Gefährdern der öffentlichen Sicherheit erstellen. Schon jetzt gibt es bei islamischen Gefährdern solche Gruppen. Diese umfassen gegenwärtig jedoch nur wenige hundert Personen. Diese Kaste könnte jedoch auf Zehntausende anwachsen, wenn man die o.g. Quellen nutzt, besonders wenn diese mit Kameras zur Gesichtserkennung vor Moscheen und anderen Treffpunkten von Menschen muslimischen Glaubens kombiniert werden. In ähnlicher Weise ist auch eine Kaste von potenziellen Rechtsradikalen vorstellbar. Das sind dann nicht nur die wenigen Mitglieder von Parteien und Organisationen, die so eingestuft werden. Allein durch die Zusammenführung aller Aktivitäten eines Menschen in den sozialen Medien mit seinen Telefonaten, E-Mails und Suchanfragen im Internet lassen sich hinreichende Datenmengen generieren, um jemand einer solchen Kaste zuzuweisen.

Schließlich kann man relativ leicht Menschen der Kaste der Andersdenkenden zuweisen, wobei man hier vermutlich aus praktischen Gründen verschiedene Unterkasten einrichten wird. (Genauso ist es übrigens auch bei den indischen Kasten, die sich - regional unterschiedlich - in eine Vielzahl von Unterkasten auffächern, was vornehmlich praktische Gründe im Zusammenhang mit ihren Berufen hat.) Auch bei dieser Gruppe sind durch die o.g. Datenmassen sehr leicht Bürger zu identifizieren, die man in eine solche Kaste einordnen kann. Als mögliche Unterkasten kommen natürlich die Verfechter von Alternativen zu politischen Konzepten (also die "Verschwörungstheoretiker"), die alternativen Publizisten u.ä. in Frage. Aber auch die linksradikalen Aktivisten und Chaoten sowie ihre Sympathisanten können mit solche Methoden leicht identifiziert und zu einer eigenen Kaste zusammengefasst werden.

Wenn man Kasten zusammenstellt, die mit Restriktionen ihrer Möglichkeiten rechnen müssen, ist es selbstverständlich, dass man auch "Brahmanen-Kasten" etabliert. Im Sozialismus gab es die schon. Sie fanden sich unter den Mitgliedern und Funktionären der Partei und in den Geheimdiensten. Analog werden durch die Neo-Stalis diejenigen Menschen den oberen Kasten zugeordnet werden, die sich nachweislich immer auf dem engen Pfad der erlaubten Meinungen und Handlungen bewegen, wobei es hier sicherlich Unterkasten z.B. in den Bereichen Wirtschaft, Klima, Gender, Globalisierung und Umweltschutz geben wird. Diese Kasten können mit der wohlwollenden Unterstützung der Neo-Stalis in Regierungen, Organisationen und Konzernen rechnen.

 

Die unsichtbare und unkontrollierbare Zuweisung von Privilegien oder Restriktionen für Mitglieder unterschiedlicher Kasten.

Im Gegensatz zu der stalinistisch-kapitalistischen Hybridgesellschaft Chinas müssen die Privilegien oder Restriktionen, die mit der Zugehörigkeit zu einer Kaste verbunden sind, in westlichen Gesellschaft natürlich weitgehend verborgen bleiben. Das wird ähnlich funktionieren, wie dies schon in den sozialen Netzwerken durch die Neo-Stalis gehandhabt wird: Man verhängt hier bereits sehr oft einen Shadow Ban oder entfernt die Werbung bei Personen, die unliebsame Ansichten vertreten. Die ideologisch korrekten Kasten profitieren hingegen von einem optimierten Algorithmus, so dass die erwünschten Meinungen vermehrt sichtbar werden. Genauso lässt sich z.B. durch Einspeisung der Kastenzuordnung in die Datenbanken der Rating-Agenturen erreichen, dass die Angehörigen der niederen Kasten ein schlechteres Rating und die Mitglieder der höheren Kasten ein besseres erhalten. So werden z.B. Anträge auf Kredite u.ä. entweder wesentlich erleichtert oder erschwert. Da diese Firmen jedoch grundsätzlich keine Angaben über die Methoden machen, mit denen sie ein Rating festsetzen, ist dies in der Regel nicht nachweisbar.

In ähnlicher Weise kann man auch Banken und Finanzdienstleister vertraulich über die Kastenzugehörigkeit ihrer Kunden informieren. Wie viele Beispiele bereits jetzt belegen, sind diese Firmen sehr gern bereit, Konten von Kunden zu kündigen, die durch politisch unerwünschte Aktivitäten aufgefallen sind. Dies muss nicht begründet werden und ist nicht anfechtbar, weil es sich um die "freie" Entscheidung eines privaten Unternehmens handelt. So kann man also bei vielen Menschen die Möglichkeiten der Teilnahme am Geldverkehr einschränken oder sogar blockieren. Niemand kann sich dagegen zur Wehr setzen.

Aber auch auf dem oft sehr überlaufenden Wohnungsmarkt kann man - insbesondere in Kooperation mit den großen Immobiliengesellschaften - leicht verhindern, dass Angehörige niederer Kasten eine Wohnung in einer bestimmten Lage oder überhaupt einen Mietvertrag bekommen. Da die Vermieter immer ein Rating von einer Agentur einholen, bevor sie einem Mietvertrag zustimmen, ist es leicht, diejenigen auszuschließen, die bei den Agenturen als Mitglieder einer niederen Kaste registriert sind. Für die Betroffenen ist das nicht erkennbar, sie haben auch keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Umgekehrt kann man auf diese Weise natürlich die Angehörigen der hohen Kasten bevorzugen. Diese Personen erhalten dann schneller Wohnungsangebote, möglicherweise sogar zu günstigeren Konditionen der Durchschnitt.

Wenn man nun noch eine einfache Datenbank erstellt, in der lediglich die persönlichen Daten (Name, Alter, Geburts- und Wohnort) der Menschen zusammen mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste verzeichnet sind, ergibt sich eine weitere Möglichkeit, das Leben von Menschen zu fördern oder zu behindern. Macht man diese Datenbank allen Personalabteilungen zugänglich, können sich diese sofort nach Eingang einer Bewerbung in Sekundenschnelle informieren. Die Personen in einer der niederen Kaste bekommen einfach keine Einladungen zum Vorstellungsgespräch und werden nie erfahren, warum das so ist. Den Angehörigen der hohen, den Neo-Stalis genehmen Kasten kann man auf diese Weise zu einer schnelleren Karriere verhelfen, so dass immer mehr Positionen mit treuen Gefolgsleuten besetzt werden können.