Die Neo-Stalis

Die neo-stalinistischen Herrschaftsmethoden

 

im globalisierten Kapitalismus

 

Teil 2

Neo-Stali-Methoden zur Unterdrückung

unliebsamer Meinungen

 

Autor: Marc DeSargeau

Januar 2021

 

 

Gleichgeschaltete Medien mit dem "richtigen Klassenstandpunkt" im Vergleich zur Neo-Stali-Kontrolle der Konzern- und Staatsmedien

In den sozialistischen Staaten waren private Medien unbekannt. Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen besaß der Staat, was als "Volkseigentum" bezeichnet wurde, um zu vertuschen, dass das Volk hier wirklich nichts zu sagen hatte. Insofern war völlig klar, dass die Funktionäre der Partei über jeden Beitrag und jeden Film wachten, damit nur Botschaften verbreitet werden konnten, die der sozialistischen Ersatz-Religion und Weltsicht entsprachen. Das wunderte niemand. Wenn möglich schaute man "Westfernsehen" oder wenigstens westliche Radiosender, die ähnlich wie zur Nazi-Zeit als "Feindsender" angesehen wurden. Zu Hause konnte man also die Maske der sozialistischen Rechtschaffenheit abnehmen, die man tagsüber selbstverständlich trug.

Die Macht zur Verbreitung der "richtigen" Weltsicht wird in den westlichen Ländern zunehmend von Oligarchen übernommen. Manche von ihnen haben riesige Medienkonzerne aufgebaut oder gekauft, wo die dort angestellten "unabhängigen" Journalisten natürlich genau wissen, welchen Meinungskorridor sie nicht verlassen dürfen. So sind alle großen Medien in den USA und in Deutschland in der Hand internationaler Konzerne oder von Milliardären. Das erzeugt eine erstaunliche Homogenität der veröffentlichten Meinung, den sogenannten Rudeljournalismus. Mit z.T. sehr rabiaten Methoden werden diejenigen entsorgt, die nicht genau auf dem engen Pfad der ideologischen Korrektheit wandeln. Pathologische Lügner werden gelegentlich zu Starjournalisten hochgejubelt und in seltenen Fällen enttarnt. Das ist dann zwar peinlich, besonders wenn es in einem, von linker Besserwisserei überquellenden Nachrichtenmagazin erfolgt. Die Erinnerung daran kann aber mit ein wenig Reue und Aufarbeitung schnell wieder verdrängt werden.

Schließlich ist eine neue Macht in Form der Internetkonzerne entstanden. Sie erkennen inzwischen die enormen Möglichkeiten, die ihnen diese Plattformen für die Erziehung der Nutzer zu ideologisch korrektem Denken und Verhalten bieten. Die hemmungslosen Orgien der Löschungen von hochfrequentierten Konten in den sozialen Medien erfolgen oft bereits bei kleinen Abweichungen von der als allein richtig erkannten Linie und führen zu dem bekannten Effekt: Bestrafe einen und erziehe Hunderte zur Selbstzensur.

 

Neo-Stali-Methoden zur Gleichschaltung der Meinungen: Die Erschaffung von äußeren und inneren Feinden, z.B. Neo-Nazis, Corona und CO2

Obwohl für die wirtschaftlichen Interessen der militärisch-industriellen Komplexe und die Existenzsicherung der Nato durch das Feindbild Russland gesorgt wurde, hat sich dies jedoch als unzureichend für die erwünschte Disziplinierung und Vereinheitlichung der Meinungsspektrums der Bevölkerung erwiesen. Russland ist weit weg, kaum ein Bürger fühlt sich durch dessen militärische Muskelspiele bedroht. Viele sind sogar dankbar für den Beitrag zur Zerschlagung des islamischen Terrorstaates. Manche verstehen auch den Handstreich zur Rückeroberung der Krim. Immerhin ist diese Halbinsel sehr lange ein Teil Russlands gewesen und wurde vor nicht allzu langer Zeit durch den Ukrainer Chrustchov seinem Heimatland geschenkt. Das was zu Zeiten der Sowjetunion ein eher symbolischer Akt, der nach dem Zerfall dieses Konglomerates eigentlich keine völkerrechtliche Anerkennung verdiente.

Es müssen also neue Bedrohungen gefunden werden, um die Menschen auf dem richtigen Weg zu halten, Kritik zu diffamieren und Alternativen zum bequemen "weiter so" an den Rand zu drängen. Dazu bieten sich - in Ermangelung äußerer Feinde - natürlich die angeblichen innere Feinde an. In Zeiten des Sozialismus waren dies die "westlichen Agenten und Provokateure", die Abweichler und Fraktionsbildner. Alle, die eine Meinung vertraten, die von dem festen Klassenstandpunkt abwich, fielen in diese Kategorie. Dass es sich bei den sichtbaren Andersdenkenden in der DDR nur um die Spitze eines riesigen Eisberges handelte, wurde plötzlich deutlich, als Millionen ihre "ideologisch korrekten" Masken abnahmen und das System innerhalb von Wochen kollabierte.

Angesichts des Erstarkens der AfD und ähnlicher Parteien in Europa sind diese Gruppen und ihre Anhänger natürlich das beste Ziel. Sie werden als innere Feinde qualifiziert, sobald sie alternative Meinungen aussprechen. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Kritik an der absurden und gefährlichen Aufnahme und Daueralimentierung von überwiegend muslimischen Migranten, die mit guten Gründen von vielen anderen westlichen Ländern ebenso wenig aufgenommen werden, wie von ihren Glaubensbrüdern in den Ölmonarchien. Von dieser Diffamierung bleiben auch integre, hochintelligente Persönlichkeiten mit großer Lebens- und Berufserfahrung nicht verschont. Allerdings handelt es sich bei dieser Partei um einen schnell zusammengewürfelten Haufen, der gerade dabei ist, sich durch interne Streitigkeiten zu zerlegen. Wenn ihre Mitglieder nicht als Neo-Nazis eingestuft werden, dann doch wenigstens als Rechtsradikale, Rassisten und Fremdenfeinde. Die Neo-Stali Methoden der Medien und der Politik gleichen aufs Haar denen, die bei Abweichlern im Sozialismus angewandt wurden. Auch die Geheimdienste werden bereits eingeschaltet, um die Organisation mit Informanten und Maulwürfen zu durchsetzen. Bei dem "Kampf gegen Rechts" wird das ganze Spektrum der Methoden der passiven Lüge eingesetzt, welches an anderer Stelle (siehe Müllers Manual) ausführlich beschrieben wurde.

Aber auch die Natur eignet sich hervorragend zur Verengung des Pfades des Sagbaren. Dazu ist die Klima-Hysterie durch Propagierung eines internationalen Bedrohungsszenarios bestens geeignet. Deshalb muss man alle Wissenschaftler und Publizisten ignorieren oder diffamieren, die nachweisen, wie vielfältig die Faktoren sind, die auf das Klima einwirken und die der Meinung sind, dass der durch Menschen verursachte Anteil daran relativ klein ist. Man ignoriert dabei die historischen Klimaveränderungen in den letzten 1500 Jahren und die Wirkung von Zyklen der Ozeane und der Sonne. Hinzu kommt, dass die "dümmste Energiepolitik der Welt" (New York Times) Deutschland voraussichtlich in eine schwere Krise stürzen wird. Der Rest der Welt lacht über den Anspruch, mit der Eliminierung unseres 2% Anteils am weltweiten CO2-Ausstoß den Planeten retten zu wollen. Viele andere bauen fleißig Kohle- und Atomkraftwerke und freuen sich bereits auf den Niedergang des Konkurrenten Deutschland.

Die klugen und kritischen Stimmen werden also in Neo-Stali Manier mit dem absurden Begriff "Klimaleugner" belegt. Besonders albern ist natürlich, dass sie weder das Klima als solches leugnen - wer könnte das schon? - noch abstreiten, dass das Weltklima schwankt und sich also auch jetzt verändern kann. Dass es in den letzten Jahrzehnten schon viele Katastrophenmeldungen ohne Katastrophe gab, wird natürlich auch ignoriert. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie eng die Schaffung ideologisch korrekter Denkpfade mit Profitinteressen verbunden ist. Ohne die Klima-Hysterie wären die riesigen neuen Produktpaletten und Absatzmärkte (z.B. Windkraft, Solarpanel und E-Autos) nicht entstanden. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, dass die CO2- und Umweltbilanz von E-Autos noch ein wenig schlechter ist als die der konventionellen Fahrzeuge, wenn man sowohl den Produktionsprozess als auch den Energieverbrauch berücksichtigt.

Schließlich hat sich mit der weltweiten Ausbreitung der Infektionen mit SARS-CoV-2 eine weitere Möglichkeit des Kampfes gegen einen inneren Feind ergeben. Alle Wissenschaftler, Ärzte und Publizisten, die darauf hinweisen, dass es sich hier um eine vergleichsweise geringe Gefahr handelt, werden - in Analogie zu den Kritikern der Klima-Hysterie als "Corona-Leugner" bezeichnet, so als ob sie abstreiten würden, dass es das Virus gibt und dass es auch tödliche Krankheitsverläufe auslösen kann. Hier sind es ebenfalls die typischen Neo-Stali Methoden, mit denen diese Menschen diffamiert werden, besonders dann, wenn sie mit friedlichen Demonstrationen auf die Unwirksamkeit hilfloser Maßnahmen der Regierung und die damit einhergehenden fürchterlichen menschlichen und wirtschaftlichen Kollateralschäden hinweisen. Im Sozialismus hießen Demos von Andersdenken "Zusammenrottungen feindlicher Elemente". Heute nennt man sie Verschwörungstheoretiker, Alu-Hüte und Corona-Leugner. Ihre Argumente werden als "Geschwurbel" abgetan, damit man sie nicht zur Kenntnis nehmen muss.

Auch hier geht die Verengung des Sagbaren mit der Sicherung von Profitinteressen Hand in Hand. Die Impfstoffe sind ein Jahrhundertgeschäft, welches die Macht der internationalen Pharmakonzerne nochmals steigert. Da spielt es zunächst keine Rolle, ob die Impfung angesichts der relativ geringen Gefahr einer schweren Erkrankung überhaupt nötig ist und inwieweit sie langfristig schützen kann. Dass der überwiegende Teil der Bevölkerung bereits durch die Kreuzreaktionen des Immunsystems aufgrund vorheriger Infektionen mit anderen SARS-Viren immunisiert ist, steht zwar in der wissenschaftlichen Literatur, nicht aber in den Medien, obwohl dadurch erklärt ist, warum so wenige wirklich krank werden.

 

Vergleich der ideologisch korrekten Sprache im Sozialismus mit Worterfindungen der Neo-Stalis

Natürlich ist der - eigentlich als Satire entstandene - Begriff der "politischen Korrektheit" in sich absurd. Politisch korrekt kann überhaupt nichts sein. Politische Entscheidungen sind von vielen rationalen und irrationalen Überlegungen beeinflusst und deshalb niemals korrekt, weil es keine eindeutige Wahrheit, keine einzig beste Lösung gibt, der man sich korrekt anpassen könnte. Richtiger muss es heißen "ideologisch korrekt". Dies bedeutet, dass man sich innerhalb einer Ideologie, die einen religiösen Absolutheitsanspruch hat, korrekt verhält bzw. so denkt, wie es die vorgezeichneten Pfade der Ideologie vorschreiben. Da die Ideologie (genau wie eine Religion) in der Regel genaue Vorgaben macht, was richtig und falsch oder was gut oder böse ist, kann man sich relativ eindeutig korrekt oder eben nicht korrekt verhalten.

Es gibt nun erstaunlich viele Begriffe, die im stalinistischen Sozialismus verwendet wurden und die mit identischer Bedeutung, aber anderen Worten von den Neo-Stalis kopiert werden. Hier einige Beispiele, die das Prinzip illustrieren.

Ein fester Klassenstandpunkt bedeutete im Sozialismus, dass man die Realität bewusst durch den Filter der Ideologie wahrnimmt und die fehlenden Elemente in der eigenen Vorstellung mit den anerzogenen Denkschemata ergänzt. So entsteht ein bewusst vereinfachtes Bild der Realität, welches sozialistischen Propagandisten jedoch berechtigt erscheint, weil man alle Dinge vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus betrachtet. Tatsächlich ist natürlich der Standpunkt der Partei gemeint, die sich als Sprecher und Erzieher der Arbeiterklasse versteht. Im Neo-Stali-Sprech hat das gleiche Verfahren der Kombination eines Wahrnehmungsfilters mit einem Interpretationsschema für die gefilterte Realität einen anderen Namen erhalten. Es ist die richtige Haltung. Damit die Verfälschung der Realität sich jedoch im Begriff nicht allzu deutlich abzeichnet, verkürzt man dies gerne als "Haltung", also z.B. Journalismus mit Haltung, Haltung zeigen beim Eintreten für eine gute Sache, Haltung im Kampf gegen Rechte, Verschwörungstheoretiker, Klima-Leugner etc. pp.

Als feindliche Zusammenrottungen wurden im Sozialismus alle Versammlungen auf der Straße oder in Kirchen bezeichnet, in denen Kritik an der Politik von Partei und Regierung geäußert wurde. Dabei war es völlig egal, ob sich diese Diskussionen oder Demonstrationen im Rahmen der Grundüberzeugung bewegten, dass der Sozialismus eigentlich eine gute Gesellschaftsordnung sei, die jedoch weiterentwickelt werden müsste, um sowohl den ursprünglichen Idealen als auch den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Eine besonders beliebte Form der Diffamierung war auch die ständige Unterstellung, dass es sich bei diesen Zusammenkünften um Menschen handelte, die von westlichen Geheimdiensten ferngesteuert oder verführt wurden. 

Im Neo-Stali-Sprech werden Zusammenkünfte, Demonstrationen oder Internetforen von Andersdenkenden wahlweise als Versammlungen von Wutbürgern, Fremdenfeinden oder Rechtsradikalen diffamiert. Dass sich hier - wie damals auch im Sozialismus – oft Gruppen von intellektuell und menschlich gereiften Persönlichkeiten zusammenfinden, die sich aufgrund von Fehlentwicklungen in der Gesellschaft und der Politik Sorgen machen, wird natürlich ignoriert. Durch die Vielzahl der diffamierenden verbalen Farbbeutel kann natürlich die Verunglimpfung von Andersdenkenden viel differenzierter und dem jeweiligen Anlass angepasster vorgenommen werden, als dies im Sozialismus der Fall war. Völlig identisch ist jedoch die z.T. hysterische Ablehnung jeder kleinen Abweichung vom ideologisch korrekten Pfad des Denkens und Handelns. Dementsprechend wird natürlich möglichst weggeschaut, wenn sich linksradikale Chaoten versammeln. Sie übertreiben ja nur ein wenig auf dem richtigen Weg.

Menschen mit abweichenden Meinungen wurden im Sozialismus als Sektierer, Fraktionsbildner, Abweichler, feindlich-negative Elemente oder Agenten des Klassenfeindes bezeichnet. Im Neo-Stali-Sprech tituliert man Abweichler als Wirrköpfe, Alu-Hut Träger, Rassisten, Fremdenfeinde, Klima-Leugner, Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker, Rechtsradikale, Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bzw. Verfassungsfeinde oder natürlich auch als Neo-Nazis. Heute hat sich für jede Art der Abweichung von den ideologisch korrekten Glaubensüberzeugungen ein spezielles Schimpfwort herausgebildet, so dass die Diffamierung den Geruch der unspezifischen Übertreibung verliert. Sie wird dadurch glaubwürdiger und schlagkräftiger.

Eine wichtige Gemeinsamkeit der Sprachregelungen gegen Abweichler von der reinen sozialistischen Ideologie und den Zweiflern an den gegenwärtig modernen "Glaubenswahrheiten" besteht darin, dass man sich auf die pauschale Verteufelung der Andersdenken beschränkt und es vermeidet, sich mit deren Sachargumenten auseinanderzusetzen. Nahezu identisch ist auch das eitle Überlegenheitsgefühl der "Rechtgläubigen" gegenüber den Abweichlern. Diese müssen entweder umerzogen oder durch Zensur oder ggf. Gewalt in die Schranken gewiesen werden. Der heilige Zorn, die gerechte Empörung der "gut Denkenden" ist aus dieser Sicht nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig.

 

Vergleich der Einschüchterung Andersdenkender durch Gewalt im Sozialismus und durch Organe der Neo-Stalis

Solange die sozialistische Staatsmacht noch auf festen Beinen stand, wusste jeder Teilnehmer einer unerwünschten Demonstration oder heimlichen Zusammenkunft, dass er entweder sofort verhaftet oder wenig später vorgeladen werden könnte. Oft waren die Folgen willkürliche Verurteilung oder der Verlust des Arbeits- bzw. Studienplatzes. Es gehörte also viel Mut dazu, sich solchen Schikanen auszusetzen. Das wirkte lange abschreckend, besonders weil man damit rechnen musste, dass im Freundeskreis oder der Familie Spitzel existierten, die jede Form staatsfeindlichen Verhaltens melden würden. All dies stabilisierte den Eispanzer der Angst und schuf scheinbar stabile Verhältnisse.

In Analogie zu den sozialistischen Vorbildern sind Neo-Stalis dazu übergegangen, demonstrierende Andersdenkende durch sinnlose Polizeigewalt einzuschüchtern. Das ist besonders traurig, weil die gleiche Polizei bei linksradikaler Randale, afrikanischem Drogenhandel und wütenden Gruppen arabischer Männer wegschaut oder sogar wegrennt und sich in Sicherheit bringt. Ein besonders perfider Trick hat sich bei Demonstrationen von Gegnern überzogener Corona-Schutzmaßnahmen bewährt. Hier werden zuweilen die bereits genehmigten Wege willkürlich durch Polizeisperren blockiert, bis sich der Zug durch die nachdrängenden Menschen eng zusammenstaut. Dann kann man konstatieren, dass die vorgeschriebenen Abstände nicht eingehalten würden und man deshalb die Demonstration auflösen müsse. Oft reichte das nicht, so dass man sich entschloss, einzelne Menschen aus der Masse wahllos herauszugreifen und vor den zuschauenden Demonstranten zu quälen. Viele Videos belegen das, wobei auch vor schwangeren Frauen und alten Damen nicht Halt gemacht wurde. Offenbar hat dieser Abschreckungsterror, wie auch der abwegige Einsatz von Wasserwerfern gegen "die Ausbreitung von Infektionen" bei Demonstrationen, nicht die erhoffte Wirkung gehabt.

 

Menschen verbargen in Sozialismus das zweite (echte) Gesicht hinter einer Maske. Genauso ist es inzwischen in vielen Bereichen westlicher Gesellschaften, die zunehmend von Neo-Stalis dominiert werden.

Die ideologisch korrekte Maske ist oft essentiell für das Überleben im Beruf und wird auch im Umgang mit Bekannten und Freunden getragen, um nicht ausgegrenzt zu werden. Aufgrund der oben beschriebenen Methoden der Diffamierung hat eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland Angst, seine wahre Meinung zu äußern. Genauso war es auch im Sozialismus. Man musste stets damit rechnen, dass Denunzianten im beruflichen Umfeld oder die inoffiziellen Mitarbeiter der Sicherheitsdienste Äußerungen weitergaben, die nicht ganz linientreu waren. Allerdings zeigte sich ab dem Jahr 1989, was passiert, wenn plötzlich der Eispanzer der Angst schmilzt und eine friedliche Monsterwelle entsteht, wie dies in dem gleichnamigen Artikel beschrieben wurde. Ähnliches kann auch in der Folge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs nach den übertriebenen Corona-Maßnahmen erfolgen. Wenn die Arbeitslosigkeit ansteigt und eine galoppierende Inflation die Ersparnisse entwertet, dann könnten auch in Deutschland die meisten Menschen ihre Masken fallen lassen und eine friedliche Revolution auslösen.

 

Die "Kontaktschuld" ist eine Erfindung der sozialistischen Diktaturen. Dieses absurde Konzept ist durch die Neo-Stalis kopiert nun auch in die westlichen Gesellschaften eingeführt worden.

Das Konzept der Kontaktschuld ist vergleichbar mit der Gefahr der Infektion durch einen gefährlichen Erreger. Deshalb hat man schon seit Jahrhunderten die Lepra-Kranken von den anderen Menschen isoliert, wo sie in weit entfernten Lagern bei lebendigem Leibe verfaulten. Wer ihnen zu nahe kam, konnte sich infizieren und wurde durch diese Kontaktschuld selbst ein Aussätziger. Im Sozialismus fürchtete man Infektionen durch Kontakte mit dem Klassenfeind. Hier waren allerdings nicht nur die Regierenden, sondern alle Bewohner von Ländern gemeint, in denen der Klassenfeind die Herrschaft ausübte, also alle westlichen Staaten. Die Kontaktschuld konnte durch Besuche, Briefkontakte oder das Lesen und Weitergeben von westlichen Publikationen entstehen. Wer mehrere enge Verwandte im Westen hatte, brauchte nicht einmal mit ihnen in Kontakt zu stehen. Er war durch diese "theoretische Kontaktschuld" bereits für viele Posten disqualifiziert. Die wichtigste Kontaktschuld jedoch - den täglichen Konsum von "Westfernsehen"- konnte man nicht verhindern, also wurde dieses Thema einfach totgeschwiegen. Das klingt irrsinnig und lächerlich. Allerdings hat sich gezeigt, dass man auch absurde Maßnahmen verordnen kann - die Bevölkerung hält dennoch still.

Diese Lehre haben die Neo-Stalis dankbar angenommen und eine Kopie des Konzepts der Kontaktschuld etabliert, das in seiner Absurdität noch gesteigert werden konnte. Offensichtlich hält man die Ansteckungsfahr mit "ideologisch unkorrekten" Ansichten für noch größer als es im Sozialismus der Fall war. Jetzt reicht schon ein Mittagessen mit einem Aussätzigen (z.B. von der AfD) oder die beobachtende Teilnahme an einer Veranstaltung eines angeblich rechtsradikalen Verbandes, um seinen Posten zu verlieren. Zusätzlich wurde das sozialistische Konzept der Kontaktschuld ohne Kontakt in leicht veränderter Form übernommen. Sie entsteht z.B. dadurch, dass bei friedlichen Demonstrationen gegen übertriebene und unwirksame Corona-Maßnahmen auch Menschen mitlaufen, die rechten Parteien oder vielleicht sogar rechtextremen Organisationen angehören. (Es könnten zuweilen auch eingeschleuste Provokateure sein.) Wenn nun die besorgten Bürger nicht sofort weglaufen und ihre Demonstration abbrechen, um den Makel der indirekten Kontaktschuld zu vermeiden, haben sie sich mit diesen "Verfassungsfeinden" gemein gemacht, sind infiziert und Teil der Aussätzigen geworden. So entstand die absurdeste Form von Kontaktschuld, nämlich die zufällige Kontaktschuld ohne Kontakt.

 

Die gefährlichsten Verbrecher waren im Sozialismus die Gedankenverbrecher, sie musste man unterdrücken, damit sie ihre Gedanken nicht äußern konnten. Genauso sehen es die Neo-Stalis

Solange die Gedankenverbrecher im Sozialismus ihre schädlichen Meinungen hinter der Maske des treuen und gläubigen sozialistischen Staatsbürgers versteckten, ließ man sie in Ruhe. Sobald sie aber andere Menschen mit ihrem gefährlichen Gedankengut durch Gespräche, Reden oder Schriften infizierten, schlug die Staatsmacht zu. Hier konnten die Gummiparagraphen der "staatsfeindlichen Propanda", der "Zersetzungs- und Sabotageversuche im Auftrag westlicher Mächte" u.ä. angewandt werden. Berufsverbote für Schriftsteller, Publizisten und Künstler waren oft die Folge. Manchmal schreckte man auch nicht vor der Verurteilung und Inhaftierung zurück. In Zeiten der physischen Abschottung von westlichen Ländern und ohne Internet war es relativ leicht, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Einigen erlaubte man die Ausreise, wo das Interesse an ihnen bald verloren ging, denn sie waren ja nun nicht mehr ein Stachel im Fleisch der sozialistischen Obrigkeit.

Die Neo-Stalis stehen vor einer größeren Aufgabe, weil es heute sehr viel mehr Kommunikationskanäle gibt und die Zäune zwischen den europäischen Staaten gefallen sind. Deshalb wurden die sozialistischen Gesetze gegen Gedankenverbrecher kopiert und mit anderen Bezeichnungen in geltendes Recht verwandelt. Jetzt heißen abweichende Meinungen Hassrede, Volksverhetzung oder rechtsradikales Gedankengut bzw. Anstiftung zum Terrorismus. Das Netzwerksdurchsetzungsgesetz sieht hohe Strafen für die Internet-Plattformen vor, die den Gedankenverbrechern nicht Einhalt gebieten. So sind jeden Tag tausende Überwachungsagenten mit der Löschung unliebsamer Meinungen beschäftigt. Wie im Sozialismus werden sie durch freiwillige Denunzianten unterstützt, die sich entweder an ihrer destruktiven Macht aufgeilen oder wirklich an die "allein selig machenden" engen Pfade des ideologisch korrekten Denkens und Handelns glauben.

Allerdings wird die Zensur unliebsamer Meinungen dadurch erleichtert, dass es nur wenige große Plattformen gibt, auf denen sich die vielen tausend Blogs, Videokanäle und Podcasts von Andersdenkenden tummeln können. Da nun inzwischen auch die Besitzer dieser Plattformen Denkweisen von Neo-Stalis übernommen haben, ist eine größere Welle von Säuberungen durch das Netz gegangen. Das betrifft viele Plattformen, die von klugen und integren Publizisten betrieben wurden und wo auch nicht eine Spur von Hassrede oder Aufstachelung zu verfassungsfeindlichen Aktivitäten zu finden war. Es reichte, dass sie eine große Resonanz für ihre Ideen fanden, die sich nicht im engen, gerade noch erlaubten Meinungskorridor bewegten. Schon waren sie zu Gedankenverbrechern geworden, denen man das Handwerk legen musste. Viele weichen auf alternative Plattformen aus, solange sie können. Allerdings kann die Macht Neo-Stalis in den großen Konzernen auch diesen bald die Luft abdrehen, wie jüngste Beispiele gezeigt haben.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass linksradikale und zur physischen Gewalt gegen Andersdenkende aufrufende Foren, Blogs, Videos und Podcasts nicht oder nur sehr selten gelöscht werden. Genauso ist es mit islamistischen Plattformen, die offen zu Mord und Terrorismus gegen die Ungläubigen aufrufen.

Falls die Löschungen in den sozialen Medien nicht ausreichen, den Gedankenverbrechern das Handwerk zu legen, kommen ähnliche Gummiparagraphen zum Einsatz, wie sie schon in den sozialistischen Ländern verwendet wurden. Nun heißt es nicht "staatsfeindliche Hetze", sondern "Volksverhetzung". Durch diese kleine Formulierungsänderung soll offenbar suggeriert werden, dass es nicht der Staat ist, der alternative Meinungen unterdrückt, sondern dass er nur seiner Schutz- und Fürsorgepflicht für die naiven Bürger nachkommt, die offenbar so leicht zu "verhetzen" sind, dass man sie vor dieser Gefahr schützen muss. Aufgrund dieser amorphen Gesetze kann man nahezu jeden zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilen, der unliebsame Meinungen öffentlich verbreitet. Zu diesem Tunnelblick der Neo-Stalis in Deutschland passt es, dass man zwar eine Greisin ins Gefängnis steckt, weil sie irre Ansichten über den vermeintlich erfundenen Holocaust verbreitet, aber rund 150.000 Haftbefehle nicht vollstreckt werden und Hundertausende ausreisepflichtiger Scheinasylanten auf Kosten der Steuerzahler unbegrenzt mit Luxusalimentierung versorgt werden.

 

Noch extremer als im Sozialismus: Bei den Neo-Stalis gilt die Maxime: "Ein falsches Wort, und du bist raus - für immer!"

In den sozialistischen Ländern hatte es sich eingebürgert, dass man in vielen Romanen oder Artikeln von Intellektuellen zwischen den Zeilen las. Hier versteckten sich die Botschaften, man nicht ohne eine gewisse Verschlüsselung aussprechen konnte. Das wurde meistens toleriert. Ging jemand nach Meinung der staatlichen Zensoren zu weit, dann wurden die Artikel oder Bücher einfach nicht gedruckt, die Filme zwar fertiggestellt, nicht aber in die Kinos oder ins Fernsehen gebracht. Nur diejenigen, die sich partout nicht diese Art der kryptischen Kommunikation halten wollten, verloren ihre Anstellungen oder wurden nie mehr gedruckt. Einigen gelang dann nach einem mühevollen Prozess die Ausreise in den Westen.

Die Neo-Stalis sind seit einiger Zeit wesentlich radikaler. Es reicht z.B. ein falsches Wort in einem schnell hingeworfenen Twitter-Beitrag, sogar ein versehentlich falsch ausgewähltes Emoji-Symbol nach einem Posting und schon ist der angebliche Gedankenverbrecher seinen Job als angestellter Journalist los. Manchmal reicht auch ein kritischer Artikel über einen Politiker, der dummerweise ein Freund des Besitzers der Zeitung ist. Sogar aus dem Zusammenhang gerissene Teile einer E-Mail haben schon einigen das Genick gebrochen, wenn sie von Denunzianten an die große Glocke gehängt wurden. Auf diese Weise wurden schon einige journalistische Schwergewichte schnell und ohne Gnade entsorgt. Allerdings machten sie oft etwas viel Besseres aus der Situation: Sie gründeten eigene Publikationskanäle mit Hilfe des Internets oder gingen in die Politik.

Ähnlich wird mit Buchautoren verfahren, ganz gleich wie bekannt sie sind. Die einfachste Form der Bestrafung von Gedankenverbrechen ist es noch, dass bestehende Verlagsverträge mit fadenscheinigen Argumenten gebrochen werden, das Buch also zunächst nicht erscheinen kann. Schnell findet sich dann aber in der Regel ein anderer Verlag. Obwohl solche Bücher zuweilen hunderttausendfach verkauft werden, wird in den von Neo-Stalis dominierten Medien kaum ein Wort darüber verloren. Es reicht, ein paar abwertende Zeilen zu schreiben und danach den Mantel des Schweigens über das ideologisch unkorrekte Produkt zu legen.

Noch absurder wird es, wenn einige Sätze aus der Rede eines Autors aus dem Zusammenhang gerissen und in ihr Gegenteil verkehrt werden, so dass ein wütendes Geheul der Neo-Stalis in den linientreuen Medien einsetzen kann. Selbst wenn später dutzende einstweilige Verfügungen feststellen, dass es sich bei den inkriminierten Äußerungen um bewusste Verdrehungen handelte, entschuldigte sich niemand. Stattdessen wurden die harmlosen literarischen Bücher des "Verbrechers" aus den Sortimenten herausgenommen und nicht mehr verkauft. Man bestraft nicht die Lügner, sondern exekutiert das Opfer. So weit ging man im Sozialismus nicht. Gelegentlich reicht auch ein diffamierender Artikel einer Journalistin, die sich listig in das Vertrauen des potenziellen Gedankenverbrechers geschlichen hat, um einen Autor kalt zu stellen. Verlage, Agenten, Lektoren und viele Freunde machen nun einen Bogen um ihn, damit sie nicht in die Falle der Kontaktschuld geraten.

 

Eine weitere Methode, mit der die Neo-Stalis die sozialistischen Praktiken im Umgang mit kritischen Publizisten übertreffen: Geldhahn zudrehen

Die meisten unliebsamen Publizisten, Schriftsteller oder Regisseure wurden im Sozialismus zwar in ihrer öffentlichen Wirkung eingeschränkt oder sogar kaltgestellt, selten aber gezielt finanziell ruiniert. Sie konnten, oft (so wie bei den Nazis auch) unter Pseudonym oder namenlos an diversen Projekten von Freunden mitarbeiten oder waren Mitglieder eines Künstlerverbandes oder der Akademie der Künste, was ihnen eine Grundalimentierung sicherte. Dieses Vorgehen war recht klug, denn man trieb sie nicht in verzweifelte Wut oder in die Rolle von Märtyrern, was von westlichen Medien natürlich gerne instrumentalisiert worden wäre, um den sozialistischen Unrechtsstaat anzuprangern.

Auch auf diesem Gebiet sind die Neo-Stalis radikaler. Sie nutzen z.B. ihre Einflussmöglichkeiten auf Banken und Zahlungsdienstleister, um besonders renitente Gedankenverbrecher von allen Einnahmequellen abzuschneiden. So werden die Bankkonten ebenso wie die Accounts bei Zahlungsdienstlern ohne Angabe von Gründen plötzlich gekündigt. Auf diese Weise kann der Inkriminierte die Zahlungen seiner Unterstützer nicht mehr erhalten und steuert auf den finanziellen Ruin zu. Diese Methode wird noch ergänzt durch den Missbrauch der ohnehin schon absurden Möglichkeiten zur Abmahnung. So versucht man z.B. ein Bild oder einen Text finden, wo die Zielperson angeblich das Urheberrecht verletzt hat. Wehrt er sich (oft erfolglos), dann erreichen die Anwalts- und Gerichtskosten oft eine Dimension, die ihn ruiniert. Reicht das noch nicht, sind Klagen wegen Beleidigung, unzulässigem Gebrauch des privaten Wortes oder ähnlich schwammige Vergehen eine willkommene Ergänzung. Als Erfüllungsgehilfen der Neo-Stalis auf diesem Gebiet haben sich Stiftungen bewährt, die von ehemaligen sozialistischen Funktionären und Geheimdienstmitarbeitern durchsetzt sind. Die Neo-Stalis arbeiten mit den Alt-Stalis gerne zusammen, man ist auf einer Wellenlänge.

 

Genau wie im Sozialismus: Die Aktionen der Neo-Stalis erzeugen bei vielen Menschen ein Lebensgefühl, in dem sich Angst und Resignation angesichts offensichtlicher Machtlosigkeit verbinden

Aufgrund der Erfahrung, dass in den alten Strukturen der repräsentativen parlamentarischen Demokratie kaum wesentliche Veränderungen der Gesellschaft zu erwarten sind, setzt Resignation ein. Man erkennt die eigene Machtlosigkeit, weil der Wahltag die einzige Möglichkeit einer scheinbaren Mitbestimmung eröffnet. Da sich aber alle Parteien in der praktischen Politik bis zur Unkenntlichkeit angenähert haben und dann noch die meisten ihrer Ziele angesichts von Sachzwängen und Koalitionskompromissen über Bord werfen, ist das verständlich. Genauso war es auch im Sozialismus, die meisten Menschen glaubten, es würde sich ohnehin auf lange Sicht nichts ändern. Daraus ergab sich, man selbstverständlich eine ideologisch korrekte Maske trug und sich ansonsten auf die privaten und beruflichen Sphären konzentrierte. Bei den Publizisten und Schriftstellern wurden die Selbstzensur und der vorauseilende Gehorsam nicht nur eine existenzielle Notwendigkeit, sondern auch eine fast selbstverständliche Routine.

Genauso stellt sich die Situation derjenigen Menschen heute dar, die in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft radikale Veränderungen für notwendig halten. Allerdings sind trotz der Zensur- und Einschüchterungsmaßnahmen durch die Neo-Stalis im Internet noch so viele Formate erhalten geblieben, dass sich die aktivsten unter den Andersdenkenden austauschen können. Dass sich dort natürlich auch viele Wirrköpfe und Gernegroß-Aktivisten ausbreiten, lässt sich nicht vermeiden. Glücklicherweise hält sich das Ausmaß der Selbstzensur bei einigen journalistischen Plattformen in Grenzen, so dass dort gereifte und integre Persönlichkeiten ihre Ideen recht frei darstellen können.

Trotz aller Vorsicht und moderater Selbstzensur sind die Neo-Stalis jedoch einigen dieser Plattformen an die Gurgel gesprungen und haben sie ohne Vorwarnung oder Begründung komplett gelöscht. Da man sie in den USA nicht verklagen kann, weil sie nicht als Publikationsorgan gelten (was sie allerdings sind), haben sie wenig zu befürchten. In Deutschland kann man zwar gegen Löschungen klagen und ist zuweilen auch erfolgreich. Allerdings ist das ein kleiner Nadelstich, den diese großen Konzerne mit hämischem Grinsen ad absurdum führen. So treiben sie die Prozesskosten durch perfide Tricks in die Höhe, indem ihre Staranwälte bereits bei Kleinigkeiten 60-80 seitige Entgegnungen verfassen, die dann auch noch aus dem Englischen übersetzt werden müssen. So entstehen riesige Anwaltskosten, die kaum ein Zensur-Opfer stemmen kann. Also muss man auch hier zwangsläufig resignieren.

 

Der Erfolg der zunehmenden Verengung des Sagbaren in vielen westlichen Gesellschaften hat weitere "ideologisch korrekte Überkompensationen" ermutigt

Die Erfahrung, dass man mit den oben erwähnten Neo-Stali-Methoden enge Pfade des erlaubten Denkens und Handelns auch in einer scheinbar freiheitlichen kapitalistischen Gesellschaft etablieren kann, hat offenbar eine Reihe von Trittbrettfahrern angezogen. Sie fühlen, wie befriedigend es sein kann, sich als der rechtgläubige und das Gute in der Welt verteidigende Mensch zu präsentieren. Man braucht sich nur an Stellen zu kratzen, wo es andere angeblich juckt. Schon kann man mitleidsvoll auf die anderen herabsehen, die noch nicht das eigene Maß moralischer Größe und Einsicht erreicht haben. Man kann sie belehren und notfalls bekämpfen und diffamieren, weil das ja alles im Interesse der guten Sache geschieht. So sonnen sich die Vorbeter der neuen Moden von ideologisch korrekten Verhaltens- und Denkregeln nicht nur im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit, sondern oft auch im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Genau die gleichen Gefühle und Gedanken haben rechtgläubige Muslime, weil sie auf die Ungläubigen oder Falschgläubigen herabsehen können, die niemals in Allahs Paradies aufsteigen werden.

Große Macht haben diese ideologisch korrekten Überkompensationen in bestimmten Bereichen der USA, besonders an den Universitäten gewonnen. In diese Kategorien fallen z.B. die absurden Übertreibungen dessen, was angeblich eine sexuelle Belästigung oder rassistische Beleidigung darstellen soll. Gleiches gilt für die vermutete Geringschätzung oder Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Transsexuellen u.ä. Jeder Mensch ist fast schutzlos, wenn die angeblichen Opfer solcher Missetaten (oft nach Jahren) voll Empörung über das "Leid" berichten, welches ihnen angetan wurde. Es gilt das Motto: "Wie angeklagt, so verurteilt".

Das setzt sich in der Schaffung von "safe spaces" zur Erholung von den unabsichtlichen "mini-aggressions" fort und führt schließlich zur Einführung von "trigger warnings" in Büchern und Filmen. Das hochsensible Opfer hat immer Recht, ganz egal wie absurd übertrieben seine Befindlichkeiten auch sein mögen. Kaum etwas ist leichter zu erlangen und schwerer zu widerlegen als der Opferkult. Sogar das Kochen eines ausländischen Gerichts kann verwerflich sein, weil es sich dabei um eine "cultural appropriation" handelt, also die Nutzung eines fremden Kulturgutes in der Manier von Kolonialisten. Dass in diesem Umfeld fast jede Kostümierung zum Fasching als rassistisch, frauenfeindlich etc. angeprangert werden kann, bleibt natürlich nicht aus.

Diese Exzesse der "ideologisch korrekten" Trittbrettfahrer der Neo-Stalis lassen sich wunderbar als Waffe einsetzen, wenn man Rache für einen verlorenen Job nehmen oder einen Konkurrenten erledigen will. Das zeigt sich daran, wie viele Menschen - besonders in den USA - bereits ihren Job verloren haben, weil sie (angeblich) den immer enger werden Pfad des rechtgläubigen Denkens und Handelns verlassen hatten. So reicht bereits die Feststellung einer Schuldirektorin, dass alle menschlichen Leben - also nicht nur die der Schwarzen - wertvoll sind und schon ist sie am nächsten Tag ihren Job los. Die schöne neue Welt ist endlich Wirklichkeit geworden!

Eine weitere, relativ neue ideologisch korrekte Überkompensation besteht in der sogenannten „cancel culture“. Man will versuchen, alles aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen, was den Neo-Stalis aus heutiger Sicht als verwerflich erscheint. Deshalb werden Statuen von Generälen und Präsidenten in den USA vom Sockel gestoßen und Straßen in Deutschland umbenannt. Märchen sollen umgeschrieben und Backwaren mit neuen Namen versehen werden. Aber man kann natürlich auch Menschen und Veranstaltungen „canceln“. So erleben Abgeordnete der AfD gelegentlich, dass Restaurantbetreiber ihnen höflich nahelegen, nie wieder in diesem Etablissement zu erscheinen und Vermieter von Tagungsräumen durch Drohbriefe erpresst werden, zugesagte Mietverträge für Veranstaltungen der Partei zu brechen. Besonders absurd ist das „canceln“ von Getreide, z.B. bei der Einstellung des Verkaufs von Hirse in Supermärkten, weil es aus dem Betrieb eines AfD Politikers stammte. Gelegentlich werden auch Personen oder ihr Besitz „gecancelt“, in dem sie hinterrücks überfallen, ihre Wohnungen beschmiert oder Autos in Brand gesteckt werden.